Reiseberichte der Familie Unterwurzacher

Schottenrock und Dudelsack - Teil 1

Teil 1 – 19.07. bis 24.07.2019

Gesamtroute 19. Juli bis 06. August 2019

2019 - Gesamtroute - Schottenrock und Dudelsack ...

Gesamtroute:

Kuchl (A) – A8 (D) – A13 (L) – Brügge (B) – Dünkirchen (F) – Dover (GB) – Gretna Green (SCO)  – Caerlaverock Castle – Sweetheart Abbey – Glasgow – Stirling Castle – Doune Castle – Loch Lomond – Rest and Be Thankful – Invernaray – Glen Etive – Glen Coe – Harry-Potter-Bridge (Glenfinnan Viadukt) – Mallaig -Isleornsay – Fairy Pools – Talisker Distillery – Neist Point Lighthouse – Loch Mor – Duntulm Castle – Kilt Rock – Old Man of Storr – Sligachan Old Bridge – Eilean Donan Castle – Falls of Measach – Ullapool – Kyle of Durness – Nordküste – Harkilk (Highland Games) – Dunnet Head Lighthouse – John o‘ Groats – Dunrobin Castle – Chanonry Point – Loch Ness – Urquhart Castle – Dallas Dhu Distillery – Cullykhan Bay – Dunnottar Castle – Balmoral Castle – Pitlochry Faskally Forest – Blair Castle – Edradour Distillery – Loch Leven – Edinburgh – Rooslyn Chapel – Dirleton Castle – North Berwick -Tantallon Castle – Melrose Abbey – Canterbury (GB) – Dover – Dünkirchen (F) – Therme Erding (D) – Kuchl (A) – 6346 km

VORWORT

Nachdem uns Irland so gut gefallen hatte, stand Schottland schon lange auf meinem persönlichen Plan – allerdings in Verbindung mit dem Edinburgh Military Tattoo – und das würde aus bestimmten Gründen erst in ein paar Jahren gehen – dachte ich zumindest …

… und irgendwann 3 Wochen vor der geplanten Urlaubszeit dachte ich mir: „Pfeif drauf – wir fahren nach Schottland!“. Schottland hat außer dem Tattoo so viel zu bieten: Herrliche Küstenlandschaften, natürlich Burgen „en masse“, Highlands, Schottenröcke, Dudelsäcke und vieles andere mehr. Außerdem erzählten uns Freunde von ihrer Schottlandreise und dann wäre noch der wahrscheinlich kommende Brexit, der das Reisen vielleicht auch nicht besser machen könnte …

Also auf nach Schottland – ich kann es kaum erwarten …

Daten:
– Österreich: 8,58 Mio. Einwohner, 83.878 km2 Fläche, 102 Einwohner/km2, Wien;
– Deutschland: 80,79 Mio. Einwohner, 367.167 km² Fläche, 226 Einwohner/km², Berlin;
– Luxemburg: 0,62 Mio. Einwohner, 2.586 km² Fläche, 228 Einwohner/km², Luxemburg;
– Belgien: 11,43 Mio. Einwohner, 30.688 km² Fläche, 374 Einwohner/km², Brüssel;
– Frankreich: 66,99 Mio. Einwohner, 543.965 km² Fläche, 103 Einwohner/km², Paris;
– England: 55,97 Mio. Einwohner, 130.395 km² Fläche, 429 Einwohner/km², London;
– Schottland: 5,49 Mio. Einwohner, 77.910 km² Fläche, 70 Einwohner/km², Edinburgh;

Reiselektüre:
– Womo-Verlag: – Mit dem Wohnmobil nach Schottland
– Reisebericht Schottland 2017 – die-camper.com
–  Tipps aus vielen Internetseiten, -Foren und von Freunden …

Die Anfahrt ...

Über Dänemark nach Norwegen ...

19.07. – 24.07.2019

Kuchl (A) – A8 (D) – A13 (L) – Brügge (B) – Dünkirchen (F) – Dover (GB) – Gretna Green (SCO)  – Caerlaverock Castle – Sweetheart Abbey – Glasgow – Stirling Castle – Doune Castle – Loch Lomond – Rest and Be Thankful – Invernaray – Glen Etive – Glen Coe – Harry-Potter-Bridge (Glenfinnan Viadukt) – Mallaig – 2631 km

Tag 1
Fr. 19.07.2019
Nachmittag: Sonnig + 29° C
Abfahrt: 14:06 Uhr - Ankunft: 22:47 Uhr
Reisezeit: 08 Stunden 41 Minuten
Kuchl (A) - A8 (D)
0 - 619 km
1. Tag: Sorgenfreie Anreise auf Autobahnen durch Deutschland ...

Dank unserem Sohn – der auf das Geschäft aufpasst – können wir schon am Freitag zu Mittag losfahren. So haben wir genügend Zeit und keinen Stress, um spätestens am Sonntag in der Früh in Dünkirchen zu sein, wo unsere vorgebuchte Fähre nach England auf uns warten sollte.

Die Fahrt ist bei warmen Temperaturen und mittelmäßigem Verkehr angenehm. Sonja und ich plaudern viel und freuen uns jetzt schon auf Schottland 

Übernachtungsplatz irgendwo kurz vor der Grenze zu Luxemburg - aber noch in Deutschland
Parkplatz, kostenlos
(Autobahnrastplätze werden allgemein wegen Einbruchsgefahr nicht als Übernachtungsplätze empfohlen)
Tag 2
Sa. 20.07.2019
Vormittag: Sonnig + 27° C
Nachmittag: Sonnig + 27° C
Abfahrt: 08:25 Uhr - Ankunft: 20:07 Uhr
Reisezeit: 11 Stunden 42 Minuten
A8 (D) - Brügge (B) - Dünkirchen (F)
619 -1002 -1081 km (462 km)
Zwischenstopp in Brügge - Belgien
Gebührenpflichtiger Parkplatz in einer Seitengasse nahe dem Zentrum gefunden ...
Brügge

Da wir gestern doch über 600 Kilometer auf deutschen Autobahnen zurück gelegt haben, werden wir es heute etwas gemütlicher angehen lassen. Wir haben die Strecke über Luxemburg gewählt und nützen die Gelegenheit, um günstig zu tanken. Danach entschließen wir uns, Brügge – der Hauptstadt Westflanderns in Belgien – einen Besuch abzustatten – soll, laut dem Tipp eines Freundes, ganz nett sein …

Zuerst geht es in Brügge durch ein sehr enges Stadttor ins Zentrum der Stadt und danach gleich links in eine Seitengasse, wo wir durch park4night einen kostenpflichtigen Parkplatz finden.

Und wirklich: Brügge gefällt uns ausnehmend gut. Schöne Plätze, Kanäle, fast so wie in Amsterdam, viel los und vor allem gibt es köstliche, unwiderstehliche Chocolaterien und Bierlokale mit einer phänomenalen Auswahl …

Nach der Autofahrt tut das Schlendern über die Plätze und durch die Geschäfte richtig gut. Wir lassen uns an nichts fehlen, genießen Süßigkeiten, ein paar Kostproben des kühlen Nasses und probieren ein belgisches Eis .

Irgendwann reißen wir uns von Brügge wieder los und fahren weiter zum Fährhafen nach Dünkirchen in Frankreich (ca. 80 km). Nicht ohne vorher in einem dieser riesigen Einkaufsmärkte unsere Vorräte auf zu füllen …

Auf dem Parkplatz neben dem Checkin-Gebäude der DFDS übernachten wir wie schon bei unserer Reise nach Irland (2016) problemlos und lassen uns ein köstliches Abendmahl mit französischen Spezialitäten schmecken. Vor zwei Wochen haben wir über’s Internet die Hin- und Rückfahrt für unser Wohnmobil (bis 7m) und zwei Erwachsene zum Preis von € 193,– gebucht und morgen um 08:00 Uhr soll es los gehen …

Parkplatz Dünkirchen Fährhafen
Asphaltierter Platz, WC und Duschen im Verwaltungsgebäude
Kostenlos
Terminal Car ferry, Route du petit Denna, Port 5625, F-59279 Loon-Plage, Dunkerque
GPS: N 51,01587° E 2,19767°
Tag 3
So. 21.07.2019
Vormittag: Bewölkt + 23° C
Nachmittag: Bewölkt + 26° C
Abfahrt: 08:00 Uhr - Ankunft: 19:50 Uhr
Reisezeit: 11 Stunden 50 Minuten
Dünkirchen (F) - Dover (GB) - Gretna Green (SCO)
1081 - Fähre -1834 km (753 km)
Fähre von Dünkirchen (F) nach Dover (GB)

Eigentlich ist heute Sonntag – der Tag des Herrn – an dem du ruhen solltest …
Nichts dergleichen! Meine Frau schmeißt mich schon um 06:30 Uhr aus dem wohligen Bett! Eine Stunde vor Abfahrt fahren wir um die Ecke und checken ein …

Die Auffahrt auf die Fähre ist problemlos. Wir werden professionell eingewiesen – alles easy. Wie immer sind an Deck die besten Plätze schnell belegt. Neben uns rekelt sich eine müde Biene Maja, auf der anderen Seite freut sich eine englisch-deutsche Familie auf den Besuch in Great Britain. Wie immer ein buntes Treiben und wir mitten drunter. Ein bisschen das Geschehen beobachten und ein bisschen lesen – schnell vergeht die Zeit und wir erreichen die Küste Englands mit einer Stunde Zeit Verschiebung.

Schon von weitem erkennt man die weißen Kreidefelsen, auf dessen Höhe Dover Castle thront. Eigentlich wäre dessen Besuch der richtige historische Einstieg in unsere Reise, aber Dover Castle und auch die Kathedrale von Canterbury – das ca. 40 Kilometer von Dover entfernt auf dem Weg liegt – müssen noch warten. Jetzt wollen wir zuerst einmal auf dem direkten Weg nach Schottland – und der zieht sich …

Auf der mautpflichtigen M25 vorbei an London

Der Linksverkehr ist von Anfang kein Problem, aber zwischen Dover und London ist plötzlich die Autobahn wegen Bauarbeiten gänzlich gesperrt. Wir werden von der Autobahn herunter geholt und im anschließenden riesigen Kreisverkehr verfahren wir uns …

Passiert normalerweise nicht oft, aber dieses Mal schon und Susi III, unser Navi, will uns immer wieder auf die gesperrte Autobahn lotsen. Den richtigen Weg zu finden, kostet mich einige Zeit und auch ein paar Nerven …

Irgendwie und irgendwann sind wir dann doch wieder auf der richtigen Strecke, die über die mautpflichtige „Dartford Crossing“ unter der Themse Richtung Norden durch zwei Tunnel an London vorbei führt. Die Maut haben wir vorsichtigkeitshalber am Vortag über das Internet für zwei Fahrten gebucht (Link).

Irgendwo unterwegs geht es von der Autobahn runter, um eine Mittagspause zu machen und britische Pfund um zu tauschen. Die heutige Strecke mit der baustellenbedingten Autobahnsperre und der folgenden Umleitung und leichten Irrfahrt hat mich trotz netter Eindrücke unterwegs ehrlich gesagt, doch ein bisschen ermüdet und so sind wir froh, kurz vor 20:00 Uhr Schottland und die erste Anlaufstelle – Gretna Green – zu erreichen …

 

Dank eines vorher eingehend studierten Reiseberichts von zwei netten Oberösterreichern (die-camper.com) finden wir nach einem Feldweg ein sehr einsames Plätzchen am „Channel of River Esk“. Das Wetter ist inzwischen – manche würden sagen – schottisch geworden. Nebelig, düster und es nieselt. Nach einem kleinen, stürmischen Spaziergang machen wir es uns im warmen Wohnmobil gemütlich und genießen das Abendessen, während wir dem Wind lauschen …

Fàilte gu Alba – Willkommen in Schottland
Es ist sehr einsam hier am Strand. Einsam, schön aber windig …

Ankunft in Schottland ...
Kleiner Parkplatz am einsamen Strand
Kostenlos, Schotter
DG16 Gretna Green
GPS: N 54,98419° W 3,07000°

Erste Etappe in Schottland ...

... der Westen ...
Tag 4
Mo. 22.07.2019
Vormittag: Bewölkt + 23° C
Nachmittag: Bewölkt + 27° C
Abfahrt: 09:19 Uhr - Ankunft: 19:00 Uhr
Reisezeit: 09 Stunden 41 Minuten
Gretna Green - Caerlaverock Castle - Sweetheart Abbey - Glasgow
1834 - 1874 - 1909 - 2134 km (300 km)
Wegen der starken Windböen am Strand, übersiedelten wir in der Nacht auf den großen Parkplatz von Gretna Green - das Schild sahen wir erst am nächsten Tag ...
Gretna Green - War früher ein Ort, wo minderjährige Paare aus England ihre Ehe schlossen. Heutzutage wird hier immer noch viel geheiratet und vor allem viele Touristen empfangen
Gretna Green

Der Wind in der Nacht wurde so arg, dass es unser Womo so richtig durchgeschüttelt hat. Irgendwann gegen Mitternacht sind wir dann auf den riesigen Parkplatz von Gretna Green übersiedelt. Hier war es relativ ruhig. Der Wind konnte im verbauten Gebiet lange nicht so heftig blasen und auch sonst stand keine Wohnmobil auf dem menschenleeren Parkplatz …

… am nächsten Tag in der Früh bemerkten wir die Ursache (siehe Schild) dafür. Das machen wir sonst natürlich nicht, aber es hat auch keinen gestört …

Gretna Green war früher auf Grund seiner geographischen Lage (Grenzort zu England) ein Ort, an dem sich unmündige Jugendliche schon mit 16 Jahren in der alten Schmiede auch ohne das Einverständnis ihrer Eltern das Jawort geben konnten. So entstand um ca. 1800 ein richtiger Hochzeitstourismus. Dieser Umstand, die frisch renovierten Gebäude und viele Einkaufsmöglichkeiten bieten die Grundlage für den heutigen Tourismusansturm aus aller Herren Länder …

Beim Schmid konnten früher unmündige Paare aus England heiraten ...
Hände-Skulptur und Sonja ...

Zwischengeschichtl – Schottenrock …

In einem dieser Einkaufstempel habe ich mich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, einen Schottenrock zu erwerben. Ja wirklich, irgendwie kam ich ganz automatisch in diese euphorische Stimmung, ich weiß auch nicht warum? Es gibt hier schottischen Whisky zum Verkosten, schottische Schals und Pullover, Handschuhe, Hausschuhe, Hemden, T-Shirts, Krawatten, Unterhosen, Herren- und Damenhosen – alle mit schottischem Muster, schottische Ess- und Trink-Spezialitäten, schottische Musik, schottische Düfte, natürlich Kaffeetassen, Kugelschreiber, Taschen, Kappen, Hosenträger, wärmende Bekleidung für Hunde aller Art, Stofftiere und so viel mehr, dass hier der Platz nicht ausreichen würde – selbstverständlich ebenfalls alles im Schottenmuster. Einzig alleine die vielen asiatischen Besucher stören natürlich NICHT das Gesamtbild, aber sie bringen mich doch ein bisschen aus meinen ansonsten schottischen Gedanken …

Daneben gibt es Schottenröcke für Herren, Damen, Kinder und Babys in allen Farben und Muster und vielleicht wäre so ein schottischer Rock der ideale Jeanshosenersatz, hab ich mir gedacht. Jeder der mich kennt, weiß, dass mir fast nie zu kalt ist, sondern im Gegenteil – ich bin eher ein Heißblütler. Laufe fast das ganze Jahr ohne Socken und mit T-Shirt durch die Gegend. Fast schon peinlich, wenn ich im Winter schnell mal barfüßig in Hausschuhen einkaufen gehe. Da wäre dann dieses besondere Kleidungsstück mit seiner natürlichen Belüftung einfach ideal. Außerdem kleidet der Kilt das gestandene Mannsbild gar prächtig, finde ich. Selbst Männer mit etwas größerem Bauvolumen machen eine stattliche Figur darin. 

Allerdings – und das hat mich dann wieder doch von einem möglichen Kauf abgehalten – würde ich zu Hause im Schottenrock und ohne Socken noch mehr auffallen, als bisher. Und wenn ich mir jetzt so einen Kilt aus echtem, schottischem Tartan (oder auch nicht ?), um günstige £ 29,90 zulegen würde, dann wäre das ungefähr so zu vergleichen, als wenn sich hierzulande Touristen mit Lederhosen und blau- oder rotkarierten Hemden (Made in Taiwan) einkleiden und damit das Münchner Oktoberfest besuchen. Über diese Pseudoalpenländler machen wir uns als „echte, eingefleischte und hier im wilden Gebirge geborene Einheimische“ auch immer lustig und klatschen uns dabei in unseren echten und maßgeschneiderten Hirschledernen auf die nackten Oberschenkel …

Außerdem konnten wir in diesem Geschäft die allerwichtigste Frage, was man(n) unter dem Schottenrock trägt, mit der netten Dame, mit dem netten chinesischen Akzent, leider auch nicht klären …

Unser erstes Castle: Caerlaverock
Historic Scotland Explorer-Pass - zahlt sich aus, wenn man mehrere Schlösser besuchen will ..
Caerlaverock Castle

Nach diesem „Einkaufserlebnis“ verlassen wir bald Gretna Green, das Hochzeitsparadies. Gesehen – nett – abgehakt …

Weiter geht es unserer ersten schottischen Burg entgegen. Auf einer schmalen Zufahrt fahren wir zum Caerlaverock Castle. Im kleinen Häuschen vor der Burg, rechts neben dem schmalen Tor, erstehen wir einen Historic-Scotland-Explorer-Pass um ca. £ 43,– pro Person für 14 Tage, der uns kostenlosen Eintritt für 78 Sehenswürdigkeiten ermöglicht. So viele werden wir uns mit Sicherheit nicht ansehen, aber wir haben uns diesen Pass schon im Internet genauer angesehen und sind schnell zum Entschluss gekommen, dass er sich auszahlen wird …

Keine Angst, ich werde euch jetzt keinen geschichtlichen Vortrag über jedes einzelne Castle halten, das wir besuchen werden (kann man bei Interesse viel genauer und besser im Internet nachlesen), aber man sollte wissen, dass Caerlaverock das einzige, dreieckige Wasserschloss in Schottland und aus unserer Sicht absolut sehenswert ist …

 

Sweetheart Abbey ...
Sweetheart Abbey

Wir sind begeistert von Caerlaverock Castle – unserer ersten Burg – und gleich soll es weitergehen zum Sweetheart Abbey. Dem letzten Zisterzienserkloster in Schottland, das 1273 von der Lady of Galloway im Andenken an ihren verstorbenen Mann gegründet wurde. Die Witwe trug das einbalsamierte Herz ihres verblichenen Gatten bis zu ihrem Tod in einer kleinen Truhe immer mit sich – daher auch der Name: Sweetheart Abbey …

Sweetheart Abbey – von vielen als romantischer Ort bezeichnet – ich würde es als „schöne Ruine mit einem sensationellen Rasen“ bezeichnen …

Bei immer schöner werdenden Wetter geht es durch das Landesinnere bis nach Glasgow – die größte Stadt in Schottland – wo wir einen privaten Termin wahrnehmen …

Kleines Vorort-Castle in Glasgow ...

Nach unserem Besuch in Glasgow finden wir dieses Mal wieder mit der App park4night einen Übernachtungsplatz bei einem kleinen Zoo und machen vor dem Schlafengehen noch einen Spaziergang im angrenzenden Park .

Calderglen Country Park
Asphaltierter großer Parkplatz
Kostenlos, Mistkübel
Strathaven Rd, East Kilbride, Glasgow G75 0QZ,
GPS: N 55,74836° W 4,14691°
Tag 5
Di. 23.07.2019
Vormittag: Sonnig + 25° C
Nachmittag: Sonnig + 27° C
Abfahrt: 10:36 Uhr - Ankunft: 19:09 Uhr
Reisezeit: 08 Stunden 33 Minuten
Glasgow - Stirling Castle - Doune Castle - Loch Lomond
2134 - 2233 - 2252 - 2381 km (247 km)
Stirling Castle
Blick vom Stirling Castle zum National Wallace Monument für den Volkshelden William Wallace, auch Braveheart genannt ...
Stirling Castle

In der Früh gemütlich chillen, danach noch einmal nach Glasgow rein, fein Essen und am Nachmittag geht es zum Stirling Castle, das uns schon von weiten – majestätisch auf einem Vulkan-Hügel thronend – begrüßt.

Die Parkplatzsuche gestaltet sich etwas schwierig. Steile, enge Auffahrt und dann kein Platz frei …

Wir finden auf einer steil abfallenden Straße dann doch noch eine Stelle zum Parken und spazieren zur Burg hoch. Den Eintritt von £ 15,– sparen wir uns (Historic-Scotland-Pass) …

Stirling Castle, Schottland’s Schicksalsburg im Herzen des Landes: Stets umkämpft und Sitz vieler schottischer aber auch englischer Könige. Schon beim Eingang hat man einen wunderbaren Rundumblick auf Stirling und in der Ferne auf das National Monument von William Wallace, auch Bravehart genannt. Danach durchstreift man den schönen Schlossgarten (herrlich zum picknicken …), dunkle Gänge und prunkvolle Gemächer …

1490 erbaut, 1543 wurde hier Mary Queen of Scots hier gekrönt, wechselte danach ständig zwischen schottischer und englischen Besatzung und wurde schließlich als Kaserne genützt.
Sonja und ich verbringen viel Zeit hier und sehen auch den ersten Schottenrockträger in freier Natur …

Man möchte es fast nicht glauben, aber wir haben trotz langem Besuch auf Stirling Castle noch nicht genug von alten Gemäuern und Schauergeschichten.

Unser Wohnmobil steht noch unbeschadet auf seinem steilen Parkplatz. Wir schlingeln uns durch die engen Gassen von Stirling und machen uns auf den kurzen Weg zum Doune Castle …

Doune Castle
Hotel romantisch am See gelegen ...
Loch Lomond
Doune Castle und Loch Lomond

1390 erbaut, diente die Burg schottischen Monarchen, darunter auch Maria Stuart als Landsitz und Jagdschloss. Einige Jahre später diente Doune Castle als Filmkulisse, etwa bei Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuß“, „Games of Thrones“ oder „Outlander“ …

Wir halten uns hier nicht lange auf, verlassen durch eine schmale Straße die Burg und es geht weiter entlang schöner Seen und Landschaften in Richtung Loch Lomond …

Loch Lomond – mit Sicherheit der größte und angeblich auch der schönste See Schottlands. Am Tabert Cruises angekommen, treffen wir zuerst am Parkplatz, wo schon mehrere Wohnmobile stehen, eine nette Familie aus Niederösterreich (Amstetten) und anschließend neben uns eine ebenso nette, alleinerziehende Mutter mit ihrem fetzigen Wohnmobil …

Am See ist viel los: Es fahren Schiffe, viele Menschen grillen oder picknicken, es herrscht ein friedliches Miteinander. Auch wir nützen die nette Abendstimmung, gehen spazieren, tauchen kurz unter und versuchen, anschließend im imposanten Seehotel namens Bay Tabert ein Abendessen ein zu nehmen …

… aber es bleibt nur beim Versuch: Wir sind ja eigentlich nicht extrem anspruchsvoll und ja, es war viel los, aber nachdem wir fast eine halbe Stunde nicht bedient und nicht einmal beachtet wurden, sind wir wieder gegangen und haben uns was Gutes in unserem Wohnmobil gemacht, um anschließend noch mit der Nachbarin zu quatschen .

GPS: N 56,20326° W 4,71003°
Parkplatz Tabert Cruises am Loch Lomond
Kostenlos
Asphaltiert, Mistkübel, Cafe
Arrochar G83 7DE
Tag 6
Mi. 24.07.2019
Vormittag: Stark bewölkt + 22° C
Nachmittag: Auflockerung + 24° C
Abfahrt: 08:32 Uhr - Ankunft: 17:11 Uhr
Reisezeit: 08 Stunden 39 Minuten
Loch Lomond - Rest and Be Thankful - Invernaray - Glen Etive (Skyfall) - Clen Coe - Harry Potter-Bridge (Glenfinnan Monument) - Mallaig
2381 - 2631 km (250 km)
Rest and be Thankful
Passhöhe "Rest and Be Thankful" - Raste und sei dankbar ...
Eine traumhafte Stimmung überraschte uns auf der Passhöhe ...
Nicht nur wir genossen den traumhaften Ausblick ...

Wir schlafen gut am Loch Lomond und lassen uns das Frühstück in schöner Landschaft schmecken. Danach geht es weiter in das angeblich sehr schöne Tal Glen Coe. Der Himmel hat sich heute verfinstert, aber mir kommt vor, dass die Stimmung wirklich gut zu Schottland und den Highlands passt. Nach ca. 30 Kilometer erreichen wir auf der A83 den Aussichtspunkt auf dem Pass.

Wir sind tief beeindruckt. Düstere Wolken und zwischendurch scheint die Sonne auf eine gar mystische Landschaft – Raste und sei Dankbar …

Tief unten sieht man noch die alte Militärstraße, die in späteren Jahren auch für Bergrennen verwendet wurde. Der dreifache Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart, der selbst hier Rennen fuhr, sieht hier die Wiege seines Motorsportlebens. Und fast rennartig bremst plötzlich ein Kleinbus neben meiner Fahrertür und über 12 Touristen stürmen heraus und zeigen ihre Begeisterung über die Aussicht mit einer Fotoorgie, danach verschwinden sie ebenso schnell, wie sie gekommen sind …

Wir lassen uns mehr Zeit und genießen das erstaunliche Schauspiel der Natur – ist es nicht schön auf dieser Welt

Rest and Be Thankful: Eins meiner schottischen Lieblingsfotos ...
Brücke von Ivernaray ...

Nur schwer können wir uns losreissen und fahren weiter über eine steile Brücke nach Invernaray, wo wir die gleichnamige Burg und das Gefängnismuseum nur von außen betrachten. Uns gelüstet nach mehr Natur …

… und daher geht es weiter in das lange Tal Glen Coe – eine der schönsten Strecken unserer Schottlandreise …

Wir biegen ab ins Glen Etive - auf einer langen Single Track Road ...
Glen Etive

Wir verlassen das breite Tal mit seinen imposanten Wolkengebilden und biegen ab nach Glen Etive. Auf einer 20 Kilometer langen Single Track Road geht es – begleitet vom River Etive – durch eine urtümliche Torf- und Moorlandschaft. Sogar die fleischfressende Pflanze Sonnentau (auch bei uns heimisch) wächst hier.

Das Tal ist enger, der Himmel wieder mit dunklen Wolken verhangen und wir nähern uns der geheimnisvollen Stelle, an der James Bond in Skyfall ins schottische Hinterland schaut …

… und das Gleiche machen wir natürlich auch …

Neben der Straße parken ist in dieser Moorlandschaft nicht gerade sinnvoll ...
Herrliche Stimmung - schöne Landschaft ...

Ewig können wir hier aber auch nicht bleiben. Die Zeit drängt und wir kehren um. Wir wollen heute noch ein zweites Highlight der Filmkulissen-Touristik besuchen und zwar die wahrscheinlich noch bekanntere Harry-Potter-Bridge.

Zuerst aber einmal zurück. Die Straßen in Irland waren schon sehr schmal – aber hier in Schottland ist das System der Single Track Road’s doch wesentlich besser: Es gibt alle paar Meter eine Ausweiche und so kann man ohne Probleme z.B. an einem anderen Wohnmobil vorbeifahren. Und so wie die Iren, sind auch die Schotten sehr verständnisvolle Autofahrer …

Allerdings ist das neben der asphaltierten Straße zu parken – so wie diese Schottin – in dieser Torf- und Moorlandschaft keine ganz gute Idee …

Weiter geht es durch die schöne Landschaft. Laut Internet-Recherche soll der berühmte Harry-Potter-Zug so gegen 15:15 Uhr die berühmte Brücke passieren …

Vielleicht haben wir Glück und wir schaffen es bis dahin zum Glenfinnan Viadukt, der 300 Meter langen Brücke, die auf 21 Pfeilern steht …

So einfach, wie ich mir das gedacht habe, ist es nun doch nicht: Die Zeit drängt, aber alle Parkplätze vor und auch nach dem National Trust For Scotland Glenfinnan Monument & Visitor Centre sind hoffnungslos überbelegt …

Erst zwei (!) Kilometer später finden wir mit Glück eine geeignetes Plätzchen für unser Wohnmobil.
Werden wir vielleicht den Zug doch noch sehen? Unaufhaltbar tickt die Uhr – wir gehen richtig schnell, fast laufend die zwei Kilometer zu Fuß retour …

Glenfinnan Viadukt - Die Harry-Potter-Brücke
Wir haben sie trotz Parkplatzschwierigkeiten gefunden: Die berühmte Harry-Potter-Brücke (Glenfinnan Viadukt) - erbaut zwischen 1897 und 1898 auf der Bahnlinie zwischen Fort William und Mallaig
Harry-Potter-Brücke: Welch ein Glück - es kommt auch noch ein Zug ...

Zwischengeschichtl – Schottisch …

Endlich gelangen wir atemlos zu Fuß auf den Parkplatz vor dem Visitor Centre und fragen im besten Schul-Englisch nach dem Weg zur berühmten Harry-Potter-Brücke …

Aber, entweder versteht der Parkwächter unsere – von lautem Keuchen begleitete – Frage nicht richtig oder wir verstehen ihn nicht? Uns ist bereits mehrmals während unserem bisher kurzen Aufenthalt in Schottland aufgefallen, dass die schottischen Eingeborenen anscheinend ein ganz eigenes Englisch sprechen, das für uns schwer verständlich ist. Ich meine jetzt nicht Gälisch – sondern es ist eindeutig Englisch, aber ein völlig anderes Englisch, als das Englisch, das wir in der Schule gelernt haben. Insider würden vielleicht sagen, dass es irgendwie wie ein typischer österreichischer Dialekt klingt, fast als ob man einen Knödel im Mund hätte. Wobei ich jetzt überhaupt nicht weiß, ob die Schotten unsere österreichischen Dialekte oder gar Knödel kennen. Egal, wir verstanden, soweit wir es verstanden, dass wir zuerst im Visitor Centre Eintrittskarten kaufen sollten und danach könnten wir die Besichtigung durchführen. Allerdings sollten wir uns – wenn wir es richtig verstanden haben – sehr beeilen, weil bald geschlossen wird …

Wir beeilen uns, rasen ins Visitor Centre und müssen von zwei Angestellten die erschreckende Nachricht erfahren, dass es – sorry – heute leider keine Karten mehr gibt! Noch immer atemlos erkläre ich aufgebracht, dass wir eigens aus Austria hierher gefahren sind, um diese großartige Attraktion zu sehen und ob man keine Ausnahme machen könnte, und überhaupt und sowieso wäre das eine furchtbare Katastrophe, wenn ….
Die herbeigeholte Geschäftsführerin beruhigte mich und verkaufte uns großzügig zwei Eintrittskarten für das weltberühmte Glenfinnan Monument. Aber bitte Beeilung – das Denkmal schließt bald. Halleluja, die Welt scheint gerettet – aber Moment: Glenfinnan Monument? ?? – Wir wollen das Glenfinnan Viadukt – die Harry-Potter-Bridge – sehen, nicht das Glenfinnan Monument, das Denkmal, den Turm, der in Richtung See steht – erklimmen … !!!
Irgendwer hat da soeben etwas völlig falsch verstanden und die Chance ist riesengroß, dass wir das sind …

Ich muss einen gänzlich traurigen und armen Eindruck machen: Die Geschäftsführerin und ihre zwei Angestellten haben großes Mitleid mit uns, geben uns sogar das Eintrittsgeld für das Glenfinnan Monument, das wirklich sehr schön wäre, retour und erklären uns netterweise – soweit wir es dieses Mal richtig verstanden haben, dass für den Blick auf das fast ebenso sehenswerte Glenfinnan Viadukt, das einige Nichtwissende leider auch als Harry-Potter-Bridge bezeichnen, kein Eintritt verlangt wird. Leider wäre es jetzt aber bedauerlicher Weise schon zu spät, weil der berühmte Zug sicherlich schon vorbei gefahren wäre …

Wir geben nicht auf, wir nicht! Wir sprinten aus dem Visitor Centre, erklimmen einen kleinen Hügel, wo schon viele Menschen stehen und warten schnaufend auf den Zug. Wird er kommen – oder kommt er nicht? Die Meinung der Anwesenden ist geteilt. Die Einen glauben, er kommt nicht mehr – die Anderen sind zuversichtlich und wir zwei sind einfach nur mehr froh, zumindest das berühmte Glenfinnan Viadukt in Natura und voller Pracht vor uns zu sehen ..

Und dann, als sich unser Atem und Puls endlich wieder beruhigt hat, wir schon gefühlte 100 oder mehr Bilder von der leeren Brücke geschossen haben – dann geht ein Raunen durch die Menge und der weltberühmte Harry-Potter-Zug fährt von rechts nach links über das Glenfinnan Viadukt. Und während danach viele den Aussichtspunkt gleich wieder verlassen, erklärt uns ein schottischer Insider, dass in ein paar Minuten der Zug noch einmal – von links nach rechts über die Brücke fährt, und spätestens dann ist unsere kleine schottische Welt wieder in Ordnung und das blamable Erlebnis fast schon wieder vergessen …

Harry-Potter-Brücke: ... einfach nur mehr geil ...

Ein wahres Erlebnis für uns Harry-Potter-Fans, die wir die Bücher gelesen und alle Filme gesehen haben. Natürlich lassen wir jetzt auch den wunderschönen Blick auf der anderen Seite über das berühmte Glenfinnan Monument (schon geschlossen) und das Loch Shield gleiten …

Nach dem zwei Kilometer langen Fußweg zurück zu unserem Wohnmobil geht die Reise weiter in Richtung Mallaig. Von hier wollen wir morgen die Fähre auf die Insel Skye nehmen. Vorher treffen wir in Natura und auf Plakaten noch einmal auf den H.P.-Zug und genießen ein wirklich, gutes Abendessen (Fish & Chips und fangfrische Scallops) im Fishmarket Restaurant. Danach übernachten wir auf einen kleinen Parkplatz ca. 2 Kilometer vor dem Fährhafen …

Auf der anderen Seite liegt das Glenfinnan Monument am Loch Shiel
Parkplatz Mallaig
Schotterplatz
Kostenlos
PH41 4RH Mallaig
GPS: N 56,87077° W 5,43561°

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